One Billion Rising Konstanz


            ONE BILLION RISING KONSTANZ

Eve Ensler

Wir Organisatorinnen von One Billion Rising nahmen letztes Jahr am V-Day in Tübingen und am 18. Februar in Karlsruhe an der Tanzdemo teil. Wir tanzten, fühlten unsere Stärke und freuten uns über die zahlreichen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die mit uns zu „Break the Chain“ tanzten und sangen. In den Reden davor erfuhren wir viel über Gewalt an Frauen, Zahlen und Statistiken. Mir helfen solche Angaben nicht, sie entziehen mir eher Kraft. Ich dachte mir, dass ich viel lieber etwas über die Frau, mit der alles begann, erfahren hätte und hoffe, dass es euch genauso geht.

Das will ich hiermit tun. Mit jedem Wort, dass ich über Eve Ensler lese, gewinne ich mehr an Respekt und Bewunderung für diese unglaublich starke Frau. Eve Ensler hat Großartiges geleistet für alle Frauen auf dieser Welt. Aber zunächst startet ihr Leben unter harten und schlimmen Bedingungen. Ihre Kindheit prägt der gewalttätige Vater, der sie ab ihrem fünften Lebensjahr auch sexuell missbraucht. Zitat: "Er schlug mich mit Gürteln. Er drang durch alle nur denkbaren Öffnungen in mich ein." Eve Ensler ergänzt, dass diese Gewalt ihren Selbstwert massiv zerstörte, sie gab ihr das Gefühl, dumm und wertlos zu sein und kein Recht zu haben, hier zu sein. Andererseits habe sie diese Erfahrung unglaublich wach für anderer Leute Leiden gemacht. Sie gibt sich eine Reihe unguter Beziehungen, wird drogen- und alkoholabhängig, ein guter Freund und späterer Ehemann überzeugt sie, sich behandeln zu lassen. Durch dessen Sohn, den sie dann adoptiert, lernt sie, ein liebender Mensch zu werden.
Sie beginnt Theaterstücke zu schreiben, die sich mit Nuklearwaffen und Völkermord beschäftigen. Sie erzählt, sie habe nie beabsichtigt, ein Theaterstück über Vaginas zu schreiben. Es passiert, als sie sich mit einer Frau unterhält, die über die Wechseljahre und dann über ihre Vagina spricht: sie sei ausgetrocknet und fertig, tot und furchtbar. Eve Ensler: „Ich dachte: Wow, sie spricht über ihre Vagina. Ich konnte es kaum glauben, dass sie das tut und dachte dann, was denken eigentlich Frauen über ihre Vagina. Ich hatte keine Ahnung und so fragte ich Freundinnen, ob sie ihre Vagina mögen. Die erste antwortete mir, dass ihre Mutter ihr gesagt habe, sie solle unter ihrem Schlafanzug keine Unterwäsche tragen, sodass ihre Pussycat auslüfte. Und ich dachte, oh mein Gott, vielleicht sollte ich damit etwas anfangen.“ Sie fragt Mädchen und Greisinnen, Erfolgsmanagerinnen und Obdachlose, Weiße und Schwarze. Sie reist nach Bosnien und interviewt Vergewaltigungsopfer. So entstehen aus über 200 Interviews die Vagina-.Monologe. Eve Ensler berichtet, dass das Publikum vom ersten Auftritt an reagierte. Es schockiere sie immer noch, wie sehr. Seit 1996 werden die Vagina-Monologe in ausverkauften Häusern gespielt. Immer mehr berühmte Schauspielerinnen drängten in die Besetzungsliste, wie Whoopy Goldberg, Glenn Close, Susan Surandon und einige mehr. Eve Ensler realisiert, dass das Stück ein Werkzeug sein kann, um Tabus zu brechen und einen Dialog zu starten und so kam ihr die Idee, den V-Day zu organisieren. Sie legt ihn bewusst auf den Valentinstag, weil Frauen eben noch zu oft statt Rosen ein Veilchen bekommen. V für Violence, für Vagina und jetzt für Victory. Sie wollte diesen Tag einmal in New York stattfinden lassen, um Geld für lokale Gruppen gegen häusliche Gewalt zu sammeln. Der Abend entwickelt sich zu einem riesengroßen Event, zu dem 25000 Leute kommen. Die Vagina-Monologe werden in jedem US-Staat aufgeführt und in über 130 anderen Ländern, wie zum Beispiel dem Kongo, Haiti und Pakistan. Die Aufführungen haben über 85 Millionen Dollar eingespielt, um häusliche Gewalt und Vergewaltigung zu bekämpfen. Inzwischen findet dieser Tag jedes Jahr statt. Aufgrund der Tatsache, dass jede dritte Frau auf der Welt im Lauf ihres Lebens Gewalt erfährt und das eine Zahl von einer Milliarde macht, gründet Eve Ensler 2012 One Billion Rising. Ihr Ziel ist es, eine Gegenbewegung zu starten, sodass ebenfalls eine Milliarde Frauen und Männer sich erheben und gegen Gewalt tanzen und sich engagieren. Es ist eine der größten Kampagnen weltweit, um zur Beendung von Gewalt gegen Frauen mit tausenden von Events in bis zu 190 Ländern der Welt beizutragen.

Und jetzt gehört mit euch Konstanz dazu. Ich bin stolz und glücklich mit euch hier zu sein. Wir Organisatorinnen haben festgestellt, dass der Tanz nicht nur am heutigen Tage verändert. Er tanzt sich in unsere Herzen, öffnet uns und macht uns bewusst, dass wir stark sind und leben. Ich tanze ihn, wenn ich mich schwach fühle oder schlecht. Ich freue mich darüber, dass ich die komplizierte Choreo gelernt habe, auch das vermittelt Selbstbewusstsein. Ich danke Eve Ensler aus tiefsten Herzen, dass sie diese Erfahrung möglich gemacht hat. Eve Ensler ist für mich ein lebendes Beispiel, dass es möglich ist, schlimme Erfahrungen zu überwinden, zu genesen und die Welt zu verändern.


Adrianne